MacDuff, John R. - Der Bogen in den Wolken - 9ter Tag. - Der Geber und der Nehmer.

Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken.

“Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“
Hiob 1, 21.

Welch edle Haltung tritt da vor meine Seele! Niederfallen und anbeten. Nichts sehen, nichts wissen, nichts erkennen, als nur die Eine Hand! Araber, Feuer, Sturmwind, Schwert - über Alles dies sieht Hiob hinweg; er sieht nur den Herrn, der gegeben, nur den Herrn, der genommen hat!

Woher rührt doch die gewaltige Niedergeschlagenheit, woher die übergroße Betrübnis und das ungöttliche Murren, wenn wir in eine Stunde der Anfechtung gekommen? Es kommt daher, dass wir unsere Blicke geheftet haben auf das wirre Durcheinander von Dingen, in denen wir fälschlich den Grund suchen von Allem, was uns betroffen hat; es rührt daher, dass wir uns nicht auf die Höhe des Glaubens schwingen, dass wir nicht mit vertrauensvollem Herzen sagen wollen: Herr, dein Wille geschehe! und dass wir seiner Stimme das Ohr verschließen, die in den lieblichsten Tönen mitten durch das Toben des Sturmes hindurch ruft: Ich bin es!

Ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tue? Findet sich wohl irgendein bittrer Tropfen im Kelch, den der Herr nicht hineingemischt? Wahrlich, Er liebt sein Volk zu sehr, als dass Er dessen Angelegenheiten irgendeinem Andern anvertrauen sollte. Wir aber sind nichts als Ton in der Hand des Töpfers und als Gefäße eines Silberschmelzers. Er misst einem Jeglichen sein Teil zu und hat zuvor versehen, wie lange und weit wir wohnen sollen. Der Herr verschaffte den Kürbis und der Herr verschaffte den Wurm. Von Ihm kommt Freud und Leid, Trost und Kreuz. Er bläst uns ein den lebendigen Odem in unsre Nase, und auf seinen Befehl muss der Geist wieder zu Gott kommen, der ihn gegeben hat.

O, dass wir doch unser Leben, so wie das Leben derer, die uns teuer sind, immer nur als ein Lehen ansehen möchten, das wir vom Herrn empfangen haben! Gott ist allein der Herr und Besitzer von Allem; Er kann, wie Er's für gut findet, sein Geschenk zurücknehmen oder seinen Haushalter absetzen. Er hat es gegeben! Was wir haben ist eitel seine Gnade, Güter sind's, die Er uns geliehen hat: Er schenkt sie, Er lässt sie, Er nimmt sie uns.

Und wie manchmal nimmt Er sie uns, dass unser Herz leer werde und Raum finde, Ihn und seine Liebe darin aufzunehmen! Kein Verlust kann uns Ihn, Er aber kann uns allen Verlust zusammengenommen ersetzen. Auf seine Liebe und seine Treue wollen wir bauen, mag Er nehmen, oder mag Er geben! Oft werden Auge und Herz versucht zu sagen: O nein, Herr! Der Glaube aber, der auf der Verheißung ruht, jauchzet über dem Bogen, welcher die dunkelste Wolke umspannt: Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir!

Und wenn es kommt, dass ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.